Inselhafen Prerow von der Seebrücke aus gesehenSegeltörn von Berlin (Bootstransport per Tieflader) über Warnemünde, Kühlungsborn, Grömitz, Großenbroder Fähre, Wendtorf, Bagenkop (DK), Maasholm, Heiligenhafen, Boltenhagen, Prerow, Barhöft, Neuhof, Kröslin, Karnin und das Stettiner Haff zurück nach Berlin.

Bereits 2025 hatten Thomas und ich entschieden, dass wir 2026 einen gemeinsamen Ostseetörn in Angriff nehmen wollen. Unsere Wahl fiel auf den Zeitraum Anfang Juni bis Anfang Juli, also unmittelbar vor den großen Ferien, was sich bzgl. der Liegemöglichkeiten als gut herausstellte, denn es fand sich eigentlich immer relativ leicht einer.

Ich entschied mich diesmal für einen ungewöhnlichen Weg das Schiff an die Ostsee zu bringen, nämlich für einen Transport per Tieflader, da der Skipper den Weg über die Oder in letzter Zeit häufiger gefahren war und wir insbesondere Zeit bei der Anreise sparen wollten, um mehr Segelzeit zu haben. 4 Wochen hören sich erst einmal lang an, vergehen dann aber sehr schnell.

Am 09.06.26 um 8.30 Uhr wurde das Schiff in Hennigsdorf gekrant und auf einen Tieflader mit Begleitfahrzeug verladen. Alles klappte aufgrund professioneller Abwicklung hervorragend und Vereinskameraden brachten uns parallel zum Bootstransport bequem nach Warnemünde, wo das Schiff im Hafen Hohe Düne gegen 15.00 Uhr wieder ins Wasser kam. So waren wir abends um 19.00 Uhr bereits wieder nahezu segelklar und im Zielrevier. Schneller geht es nicht!

Segelyacht Boogie Woogie wird in Hennigsdorf gekrant

Boogie Woogie auf dem Tieflader
Kranen des Schiffes und Transport mit 3-achsigem Hänger, Schiffsgewicht 5 to

Wir verbrachten den Folgetag noch im Hafen für die letzten technischen und organisatorischen Vorbereitungen, bevor es dann tatsächlich auf Tour ging.

Liegeplatz im Hafen Hohe Düne bei Sonnenuntergang
Unser Liegeplatz im Hafen Hohe Düne

Als Zielgebiet hatten wir uns für die westliche Ostsee entschieden und so starteten wir über Kühlungsborn nach Grömitz, wo wir wegen Starkwind 3 Tage im Hafen bleiben mussten. Es gibt jedoch kaum einen besseren Hafen für diesen Fall, denn er ist preisgünstig, hervorragend in Schuss mit tollen sanitären Anlagen und über die Strandpromenade bestens an Grömitz mit allen Versorgungsmöglichkeiten angebunden. Kurzum, wir langweilten uns nicht.

Nachbau des Berliner Funkturms in Grömitz
Berliner Funkturm in Grömitz
Hundestock Ausleihe am Strand von Grömitz
Hundestock Ausleihe am Strand

Weiter ging es über den familiär geführten und preiswerten Hafen Großenbroder Fähre (ebenfalls sehr empfehlenswert, direkt an der Fehmarnsundbrücke, kostenlose Fahrräder!) zur Marina Wendtorf. Aufgrund über Funk angekündigter, laufender NATO Manöver war die Hohwachter Bucht komplett für die Schifffahrt gesperrt und wir mussten einen riesigen Umweg fahren, um dann am Nachmittag aufgrund unserer Nachfrage über Funk wenigstens doch ein wenig abkürzen zu können. Da kein Wind war, musste leider die Maschine lange bemüht werden.

Hafen Großenbroder Fähre an der Fehmarnsundbrücke
Hafen Großenbroder Fähre

Anschließend segelten wir rüber nach Bagenkop auf Langeland (DK). Hier konnten uns die extrem teuren Preise für Essen und Getränke nicht wirklich begeistern. Nächstes Ziel war eigentlich Svendborg, welches wir jedoch aufgrund der angesagten Windrichtung und der engen Fahrwasser letztlich gestrichen und den Bug wieder zurück nach Deutschland gerichtet haben. Nächster Hafen war entsprechend Maasholm in der Schleimündung. Dort mussten wir mitten in der Nacht einen schweren Sturm (bis 43 kn Wind) inklusive Gewitter und Starkregen über uns ergehen lassen. Alle Eigner waren wach und sicherten ggf. die Boote nach so gut es ging. Nicht gut aufgerollte Segel zerfetzten und waren nicht zu bändigen! So schlimm hatten wir es im Hafen noch nie erlebt. Nicht auszudenken, wenn einen solches Wetter auf See erwischt!

Anekdote am Rande: Als wir einem uns gegenüberliegenden Eigner bei technischen Arbeiten an seinem Schiff halfen, stellte sich heraus, dass es sich um den Herausgeber der Zeitschrift „Yacht“, Jochen Rieker, handelte, welchen ich aus vielen Beiträgen in „Yacht TV“ kannte.

Über die Marina Wendtorf und Heiligenhafen segelten wir erneut nach Grömitz und kreuzten dabei ein Regattafeld der Kieler Woche mit seegehenden Yachten (sh. Bild Plotter), das verursacht Puls auch wenn man Vorfahrt hat! Wir konnten uns aber naturgemäß nicht in Luft auflösen!

In Grömitz trafen wir die auf Gegenkurs befindliche Crew der „BALU“ aus der S.V.T. trafen und verbrachten den Tag miteinander.

Plotteransicht mit AIS-Zielen des Regattafeldes

Nächste Ziele waren dann Boltenhagen (toller Hafen mit First Class sanitären Einrichtungen), erneut Kühlungsborn und Warnemünde (Hafen Mittelmole). Ein schöner und relativ neuer Hafen und besser an Warnemünde angebunden als der Hafen Hohe Düne, da keine Fähre notwendig ist und man mitten im Geschehen zwischen Seekanal (Warnow) und Altem Strom liegt. Hier gib es immer etwas aus dem Cockpit zu sehen.

Liegeplatz im Hafen Mittelmole in Warnemünde

Über den neuen Hafen Prerow (720 m lange Seebrücke erschließt hufeisenförmigen Hafen mit Heckbojen) und Barhöft, wo wir wegen Starkwind erneut einen Stopp einlegen mussten, ging es dann über die Häfen Neuhof, Kröslin und Karnin bei bestem Wind zurück über das Stettiner Haff nach Ziegenort (PL), wo uns erneut Starkwind einen Tag lang einbremste.

Blick über den Inselhafen Prerow
Inselhafen Prerow, entgegen Hafenführer ist eine Voranmeldung nicht notwendig

Seebrücke Prerow mit Zuwegung zum Inselhafen
720 m lange Zuwegung über die Seebrücke zum Inselhafen, unglaublich lang!

Anschließend haben wir wie üblich in Stettin den Mast gelegt und sind über die Oder zurück nach Berlin gefahren. Erstmals wurde mein Schiff dabei im neuen Schiffshebewerk angehoben.

Segelyacht Boogie Woogie im neuen Schiffshebewerk

Die 4 wöchige Reise ging wie im Flug vorbei, wir hatten großteils wunderschöne Segeltage bei bestem Wind und Sonnenschein und keinen wirklichen Regentag. So wünscht man sich einen Segeltörn!

Insgesamt haben wir 600 sm zurückgelegt, bis Boogie Woogie samt Crew unbeschädigt wieder das heimische Revier am Tegeler See erreicht hat!

Frank Deißler – Thomas Schmitz (Juli 2026)