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Rund Rügen

Die Elli ist eine Varianta 65 Baujahr '74, ausgestattet mit einem fünf PS Außenbordmotor sowie der üblichen Segelgarnitur. Erstmalig kam in diesem Jahr ein Pinnenpilot zum Einsatz, dessen Anschaffung nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Endlich konnte der Skipper während der Fahr auch mal die Pinne loslassen, die Segel neu justieren, die Position bestimmen oder einfach mal Pinkeln.
Der Skipper ist gut 10 Jahre älter als die Elli und geht mit ihr ins vierte Segeljahr. Vorher war er eher Jollensegler und Charterer von Jollenkreuzern. Seine Ostseeerfahrung ist gering, dies ist sein zweiter Ostseetörn.


Unser besonderer Dank gilt der Besatzung der Vanadis, die einen Großteil der Reise mit uns gesegelt ist. Neben der Geselligkeit am Abend schätzten wir besonders das Gefühl, das dort jemand ist, der weiß, wo das Wasser tief genug ist.

Sa 29.06. Berlin – Oderberg

87 km Motor
6:30 Uhr, 30 Liter Super, Proviant, Skipper übermüdet an Bord, vermutlich an alles gedacht, also Leinen los. Schöner Morgen, dann bewölkt und nicht so warm, gutes Kanalwetter. An der Schleuse Lehnitz (9:30) müssen wir einen Frachter vorlassen, beim zweiten ist noch Platz und alle haben Angst, dass sie nicht mitkommen, Hektik, kommen dann aber doch alle mit. Gut für mich, mache in der zweiten Reihe an einem Motorboot fest, das ältere Ehepaar hat ein wenig Angst, dass ich ihr Boot verkratze, sieht aber auch wirklich sehr gepflegt aus. Geht aber alles gut. Meine anschließenden Versuche, den Frachter zu überholen sind unbeholfen. Schließlich komme ich aber doch vorbei.
Am Schiffshebewerk (14:00) treffen wir auf die Vanadis, die zwei Stunden vor uns losgefahren sind, und dort schon zwei Stunden warten. Die Besatzung ist dennoch guter Dinge, Wiedersehensfreude und es wird auch gleich geschleust. Früh losfahren lohnt sich offensichtlich nicht. An der Marina Oderberg (17:00) ist für heute Schluss, Schnipo und eine Runde durch den nahen Ort. Oderberg liegt schön. 

 

So 30.06. Oderberg - Stettin

80 km Motor
In Hohensaaten geht es schnell und wir sind nur drei Boote, die auf die Ostoder wollen. Vermutlich scheuen andere Wassersportler die Passage wegen der aggressiven Möven zwischen Schleuse und Oder, die nicht nur mit vereinten Kräften einen Raubvogel verjagten, sonder auch Angriffe auf die Elli und ihre Besatzung flogen, Ziel unklar.
Aufgrund des Hochwassers hat die Oder eine schöne Strömung und wir machen bis zu 15 km/h gegen Grund. Was an der Ostoder eigentlich schwierig sein soll wie häufig behauptet haben wir auch bei der zweiten Durchfahrt nicht verstanden. Die Fahrrinne ist stets gut betonnt, es gibt kaum Berufsschifffahrt und auch die Strömung – stimmt: die Einfahrt von Hohensaaten war etwas rutschig.
Abends (17:00) dann in Stettin in der AZS, die Vanadis stellt den Mast am Kran, wir machen das von Hand. Sehr schöner Liegeplatz in der ersten Reihe, Abendessen mit der Vanadisbesatzung in der Vereinsgaststätte sowie eins zwei polnische Biere. 

Mo 1.07. Stettin – Ueckermünde (Ankern)

2 W, 68 km Segel
Früh los, kommen gut voran, keine Grundberührung im Haff! Gegen Mittag Flaute und tausend schwarze Fliegen auf dem Schiff, dann wie zur Belohnung dreht der Wind (NO) und wir können zwei Stunden unter Spinnaker fahren. Wieder Flaute, anschl. W, zunehmend, kreuzen eine Weile gegenan, dann Ankern vor Ueckermünde. Schöner Abend und ruhige Nacht.

Di 2.07. Ueckermüde – Krummin

1-2 NW, 40 km Segel, 10 km Motor
Der wenige Wind stirbt einen frühen Tod, um die Zecheriner Brück zu schaffen (9:40) müssen wir den Außenborder anwerfen. Anschließend ankern und auf Wind warten. Der kommt dann auch, leider NW, also gegenan. Schönes Segeln, leider wenig Strecke. Grundberührung vor Zemnitz aber nicht so schlimm. Das ursprüngliche Ziel Wolgast wird aufgegeben, statt dessen treffen wir uns abends mit der Vanadis in Kummin. Schöner Hafen, zwanglose Atmosphäre, Bierverkauf, W-Lan, Brötchenservice. Dort kann man nun auch u.a. eine Varianta 65 chartern :-) Leider ist die „Pferdetränke“ schon geschlossen, aber wir kriegen noch was zum beißen im „Fischstübchen“.

Mi 3.07. Krummin - Gager

2-3 W, 40 km Segel, 5 km Motor
Lassen es ruhig angehen, in Wolgast an der Schlossinsel anlegen und Fischbrötchen, 12:45 Brücke, dann aber nehmen wir Fahrt auf, flottes Halbwindsegeln im Penestrom und Greifswalder Bodden, keine Grundberührung. 19:00 Gager, böhig, was das Anlegen an den Heckbojen zum zweifelhaften Vergnügen werden läßt. Leider können die sanitären Anlagen am Restaurant „Alte Bootswerft“ nicht mehr benutzt werden, statt dessen gibt’s einen Container auf der Mole. Abendessen im „Anker“ im Ort zu empfehlen.

Do 4.07. Gager – Sassnitz

3 W, 43 km Segel, 3 km Motor
Morgens Dunst, wir warten, gegen 11:00 wird es besser. Aus der Hagenschen Wiek raus gegenan unter Motor, dann Segel gesetzt und entspanntes Segeln bei richtigem Wind. Möchnsgut, Nordperd bei Göhren, Sassnitz schon in Sicht. Zieht sich dann aber doch noch. Gegen 19:00 Sassnitz, Stadt schön anzusehen von See aus, beeindruckender Hafen. Abends Rundgang durch die Altstadt.

Fr 5.07. Sassnitz – Kap Arkona (Ankern)

3-4 NW, 34 km Segel
10:00 los, herrliches Wetter vor den Kreidefelsen, dann raus aus der Landabdeckung, heftig gegen Wind und Welle, stecken das erste Reff, unser anstrengenster Segeltag. Später legt sich der Wind. 18:00 ankern vor Vitt / Kap Arkona. Die Nacht unruhig, Welle.

Sa 6.07. Kap Arkona – Hiddensee

2-3 N, 28 km Segel, 3 km Motor
8:00 los, herrliches Segelwetter, ein wenig kreuzen um Kap Arkona rum, dann auf halbem Wind nach Hiddensee, mittags kommt der Leuchtturm in Sicht, die Fahrrinne zwischen Hiddensee und Rügen unter Motor, 15:00 festmachen in der Marina Langer Ort nähe Vitte. Auch um diese Zeit ist nur noch wenig Platz, obwohl die Marina an die 200 Plätze hat. Offenbar bleiben viele länger auf Hiddensee, wir ja auch :-) Nachmittags Spaziergang zum Dornbusch / Leuchtturm im Norden, sehr lohnend, am Strand zurück.

So 7.07. Hiddensee

3 N
Landtag auf Hiddensee. Langer Spaziergang durch die Heide und am Strand entlang nach Neuendorf und zurück. Auch schön. Hiddensee ist wirklich eine Reise wert. Wir können nachvollziehen, warum der Hafen so voll ist. Nachmittags kommt die Vanadis an. Wiedersehen feiern.

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Mo 8.07. Hiddensee - Gristower Wiek (Ankern)

2 NW, 57 km Segel, 1km Motor
Schönes Segeln von Hiddensee nach Stralsund, ankern vor Altefähr ca. 13:00, lange Mittagspause tut gut bei der Hitze. Die nächste Brückenöffnung der Ziegelgrabenbrücke (alter Rügendamm) ist erst um 17:20, wir entscheiden uns, zu warten und nicht den Mast zu legen. Nach der Brückenöffnung kleine Regatta der Boote, die die Brückenöffnung wahrgenommen haben, wir gewinnen, da wir die einzigen sind, die den Spinnaker setzen. Flottes Vorwindsegel bis zum Gristower Wiek (Riems), dort allerdings übersehen wir die Fahrrinne und laufen ziemlich schwer auf Grund. Nur dank eines hilfsbereiten Anglers mit Boot sowie einer Kneippkur unsererseits in knietiefem Wasser kommen wir wieder frei. 21:00 zufriedenes Ankern in der ausgedehnten Bucht.

Di 9.07. Gristower Wiek – Trassenheide (Ankern)

2-3 N, 62 km Segel
8:00 los, kommen gut voran, eine Menge Seegler im Greifswalder Bodden. Mittags zwei Stunden ankern vor Ruden, es ist heiß. Vor Peenemünde gibt es ein Sperrgebiet, wir umfahren es weiträumig, dann läßt der Wind uns im Stich. Unter Spi erreichen wir mit Mühe die Küste vor Trassenheide, ankern vor dem Strand (20:00). In der Nacht nehmen Wind und Wellen wieder zu und es wird unbequem. Anker halten gut.

Mi 10.07. Trassenheide – Swinemünde

4-5 W-> N, 35 km Segel, 1 km Motor
Die Entscheidung, früh loszusegeln, erweist sich als richtig, nachmittags nimmt der Wind noch zu. Brettern nur unter Vorsegel die Küste von Usedom entlang, Zinnowitz, Basin, Heringsdorf, kaum etwas zu sehen bei heftigem Wind und Welle. Mittags vor Swinemünde dann auflandiger Wind und 1.5 m Welle, aber zurück geht nun auch nicht mehr gegen den Wind. Also rein unter dem Applaus der Strandspaziergänger (glaube ich), ist dann auch gar nicht so schwierig da Wind und Welle von Achtern. Unter Motor zur Marina Swinemünde, groß, sehr komfortable Schwimmstege und kaum belegt. 16:00 Strandspaziergang nach Ahlbeck, Abendessen dort und durch den Sturm zurück. Swinemünde ist als Stadt wenig interessant.

Do 11.07. Swinemünde – Dammerscher See (Dabiesee, Ankern Nordufer)

4 N, 38 km Segel, 15 km Motor
Warten dass der Wind abnimmt, tut er dann auch gegen 11:00, unter Motor durch Hafen und „Kaiserfahrt“, auf dem Stettiner Haff dann wieder Wind um 4 und ordentlich Welle, aber wir kennen das ja nun schon, nur Vorsegel und Kurs halten, zunächst Richtung Altwarp das Haff queren, dann die Küste entlang Richtung Stettin. Keine anderen Segler unterwegs, nur Berufsschiffahrt, gibt uns zu denken.. Geht aber alles gut, Kleines Haff, Wind läßt abends nach, dann im Oderdelta den Motor zugeschaltet, um anzukommen. Schöner Ankerplatz im Norden des Dabiesees in der Nähe des Schiffswracks.

Fr 12.07. Dammscher See – Oderberg (Ankern)

2 N, 15 km Segel, 80 km Motor
7:00 bereits Wind, also los, schon einige Fischer auf dem Dabiesee, ins Oderdelta und Mastlegen in der Nähe der Ulica Clowa (Stettin) 11:00, Fahrt unter Motor über den Parnicki Kanal durchs Industriegebiet, hier gibt’s eine Eisenbahnbrücke mit 1,89 m Durchfahrhöhe (zunächst angekündigt mit 1,59 m), und wir passen so gerade durch. Heftige Strömung der Oder, machen nur 6 km/h gegen Grund (sonst 9-11 km/h). Wird dann aber später besser. Im Hohensaaten – Friedrichsthalkanal keine Strömung :-). Heißer Tag, fahren immer weiter, Schleuse Hohensaaten 20:00, dann ankern auf dem Oderberger See 21:30, schön.

Sa 13.07. Oderberg -Tegel

80 km Motor
7:00 am Schiffshebewerk, leider erstmal 1,5 Stunden warten und das Kreuzfahrschiff Sans Soussie vorlassen. Dann Schleusung zusammen mit dem polnischen Frachter „Martyna“, der uns im Verlaufe des Tages noch bis nach Berlin begleitet. Flotte Fahrt durch große Hitze, keine Pause dank Pinnenpilot, der sich auch im Kanal gut bewährt. 14:00 Schleuse Lehnitz eine Stunde Wartezeit, 18:00 Tegel und erst mal ins Wasser springen.

Fazit

Unser Ziel „Rund Rügen“ konnten wir in der verhältnismäßig kurzen Zeit von zwei Wochen erreichen. Das ist aber weniger unserem seemännischen Können als einer gewissen Starrköpfigkeit und den guten Windverhältnissen geschuldet. Der mäßige Nordwest erlaubte uns meist ein flottes Fortkommen, es gab keinen Tag, an dem nun überhaupt nicht gesegelt werden konnte. Insgesamt sind zwei Wochen aber sehr knapp bemessen, besonders wenn man auch mal etwas vom Land sehen möchte.
Das Haff und die Boddenlandschaft sind ein nicht ganz einfaches, aber abwechslungsreiches Segelrevier für kleine Boote und eine angenehme Urlaubsgegend. Es ist anzunehmen, dass dies nicht unser letzter Törn dort war.

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