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Von Thomas Petereit

26. April

Ankunft in Vannes am Nachmittag. Die Bahn streikt, ich habe deswegen den Bus genommen, zunächst von Tours bis Nantes und dann weiter nach Vannes, in der Bretagne, am Golf von Morbihan. Die Stadt ist sehr hübsch. Ganz besonders schön aber ist der Hafen. Ein langgestreckter Kanal vom Meer her reichend bis in die Stadt hinein.  

Die „Habiby“ sehe ich sofort: Sie hat die höchsten Masten, außer der „Habiby“ hat außerdem kein Boot Holzmasten. Ich laufe Knut, unserem Kapitän in die Arme, der ein Baguette holt. Wir gehen aber erst auf‘s Boot, Bianka, seine Frau, wartet auf uns mit Tee. Herzliche Begrüßung. Das Boot ist überwältigend. Man kann darauf einfach leben, man kann es aber auch segeln.  

27. April

Wir haben sehr gut geschlafen, das heißt sehr lang. Nach einem guten Frühstück an Bord beginnen wir mit dem Klarmachen. Außerdem besorgen wir Gas, was wegen der unterschiedlichen Ventil- und Flaschentypen sehr umständlich ist. Aber an Bord gibt es alles, auch ein Adapter, um von einer großen Gasflasche in die fünf kleineren an Bord umzufüllen. Wir schaffen noch, das Besamsegel anzuschlagen.

 

28. April

Strahlend schöner Sonnenschein und eisige Kälte begrüßen uns wie auch gestern. Wir machen weiter klar Schiff, die beiden Vor- und das Großsegel und die Fallen schlagen wir an. Außerdem muss die geleerte Gasflasche zurück zur Station. Dann wird das gesamte Schiff abgeschrubbt. Wichtig ist, die Algen und den Grünbewuchs zu entfernen. Knut und Bianka haben heute Hochzeitstag. Da gehen wir abends nett am Hafen essen.

 

29. April

Eigentlich wollten wir heute auslaufen. Aber das Wetter ist schlecht, stürmisch und regnerisch. Wir verschieben deswegen auf morgen. Knut macht mit uns stattdessen Segelunterricht, und zwar beginnend mit einer Einweisung in Navigation. Nachmittags schlagen wir dann die Schoten am Focksegel und das Lazyjack am Besamsegel an. Danach noch einmal Großputz im Cockpit.  

 

30. April

Es hat die ganze Nacht hindurch fleißig geregnet, aber als wir aufstehen ist klarer Sonnenschein und kalte Kälte. Als so richtig schön, um endlich auszulaufen. Wir müssen aber noch die Flut abwarten, damit sich Schleusen und Brücken öffnen. Unter Tuten und Blasen legen wir ab. Viele Menschen am Kai winken und beglückwünschen uns für eine gute Reise. Wir fahren aus dem Kanal heraus, passieren Schleuse und Drehbrücke und fahren in den Golf von Morbihan hinaus. Wir versäumen nicht, dem nordischen Windgott Rasmus eine Kredenz in Form eines Glases 15 Jahre alten Rums zu opfern, auch einer neugeöffneten Flasche selbstverständlich. Die Bö lässt nicht auf sich warten. Die Sonne strahlt, es ist ein Traum von einem Segelrevier. Überall hübsche Örtchen und kleine Marinas, Zahlreiche Segler sind trotz der kalten Temperaturen unterwegs.  

 

Am liebsten würde ich meine „Nightstar“ gleich hierher verlegen. Es geht durch die Fahrrinne und bald können wir die Fock aufmachen. Wir machen dann gleich zwischen drei und sechs Knoten bei Raumschotwind. Nach etwa einer Stunde lassen wir den Golf hinter uns und gelangen in die Bucht von Qibéron, wo wir auch das Großsegel setzen und Kurs auf die Insel Houat nehmen. Nach ca. zweieinhalb Stunden erreichen wir im Osten der Insel in einer kleinen Sandbucht einen geschützten Ankerplatz für unsere erste Nacht.  

 

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1. Mai

Es war eine ruhige Nacht, die Hexen vom Bloxberg haben unseren Schlaf nicht gestört, auch keine Dünung. Wir stehen bald nach sieben Uhr morgens auf, es ist ruhig und sonnig. Gegen 10.15 Uhr lichten wir den Anker und motoren aus unserer wunderschönen Traumbucht raus. Kein Wind, also weiter unter Motor.

 

Erst gegen Mittag kommt Wind auf. Wir setzen Segel und nehmen bei etwa 150 Grad Kurs auf die Ile d‘Yeu. Wir genießen die Sonne, die sogar ein bisschen wärmt. Knut schmeißt die Angel aus in der Hoffnung auf einen guten Fang, günstigenfalls eine dicke Makrele, aber daraus soll leider nichts werden. Unterwegs verlieren wir beinahe völlig Sichtkontakt zum Ufer. Gegen 17 Uhr taucht die Ile D‘Yeu am Horizont auf und gegen 19 Uhr gehen wir vor Port Jointville vor Anker.  

2. Mai

Wir hatten in der Nacht schreckliche Dünung und deswegen entschließen wir uns, im Port Jointville einzulaufen. Der Hafen ist zwar winzig, aber für unser Boot nicht zu klein und wir bekommen einen bequemen Liegeplatz. Ich klariere ein und wir machen uns gleich auf eine erste Stadterkundung. Wir mieten uns Fahrräder, um die Insel zu erkunden. Die Natur ist sehr vielfältig. Die Nordwestspitze ist felsig und wild. Von dort aus geht es mit Rückenwind durch wunderschöne Küstenlandschaft zum romantischen Häfchen von La Meule. Auf der Terrasse der Hafenbar genehmigen wir uns einen Planteur, um uns von den Radlerstrapazen zu erholen. Über Saint Sauveur radeln wir zurück und machen erst einmal wieder Großeinkauf. Es gibt Austern, Fischsuppe mit Rouille auf geröstetem Knoblauchbrot und Salat zum Abendessen. Danach plumpsen wir erschöpft in die Kojen.

 

3. Mai

Eigentlich wollten wir schon um Sieben aufstehen, aber es ist dann doch halb Neun geworden, bis wir an Deck krabbeln und einen neuen sonnigen Tag begrüßen. Wir laufen nach einem guten Frühstück aus, passieren die schönste Insel der französischen Atlantikküste und nehmen einen südsüdöstlichen Kurs. Wir haben achterlichen Wind bei 3 bft, machen 7 Knoten und genießen die Sonne. Glücklicherweise scheint die Sonne, denn im Schatten sind es nur 14° C.

 

Gegen 17 Uhr erreichen wir Les Sables d‘Olonne. Wir versuchen im Fischereihafen festzumachen, aber wir müssen in den Yachthafen. Tant pis.

 

4. Mail

Als wir bei strahlendem Sonnenschein auslaufen und Kurs auf St. Martin de Ré nehmen, haben wir den Wind genau gegen uns bei 4 bft. Wir fahren deswegen unter Motor gleich in den nächsten Hafen, etwa acht Meilen weiter, wieder ein. Dieser ist Bourgenay. Und machen uns an Materialpflege. Nicht nur unter sondern auch auf Deck hat die „Habiby“ Holz ohne Ende. Das sieht zwar schön aus, verlangt aber permanenten Unterhalt. Ich schleife eine Holzreling ab und lackiere sie. Bin schrecklich stolz auf mein Werk.

 

5. Mai

Gemütliches Frühstück, denn es ist Niedrigwasser, weswegen wir mit dem Auslaufen erst einmal warten müssen. Wir vertreiben uns die Zeit mit Austernsammeln in den Felsen vor dem Hafen, die bei Ebbe trockengefallen sind. Allerdings ist die Ausbeute nicht umwerfend, denn Austernsammeln ist hier natürlich Volkssport. Aber als leckere Vorspeise reicht es allemal.

 

Kurz nach Mittag legen wir ab, die Rinne ist gerade man so tief, dass wir mit unseren 2,2m Tiefgang rausfahren können. Wir kreuzen ein Pirogenrennen, das vor dem Hafen stattfindet. Leider haben wir den Wind immer noch gerade auf die Nase, als wir mit Kurs von 138 Grad Kurs auf die Ile de Ré nehmen. So können wir leider wieder keine Segel setzen und müssen bis St. Martin de Ré motoren. St. Martin hat einen winzigen Hafen, der bei Ebbe trocken fällt mit Ausnahme eines Beckens, das bei Ebbe durch ein Stauwehr befüllt bleibt. Wir fahren also bei Flut ein und befinden uns wie auf dem Präsentierteller. Die Leute bestaunen unser Schiff, ringsherum eine wunderschöne Altstadt, die schon fast an Italien anmutet. Heute ist Himmelfahrt, alles ist pickepacke voll. Wir müssen auf engstem Raum gewendet an andere Boote anlegen, insgesamt zu einem Sechserpack. Der ganze Hafen ist gerammelt voll mit Booten, das Städtchen platzt aus allen Nähten.  

 

Erst wollen wir essen gehen, die Restaurants am Hafen sehen so schön romantisch aus, entscheiden uns aber dann doch für ein Essen bei uns auf dem Boot an Deck mit leckeren Zutaten aus der kleinen Markthalle direkt am Hafen.  

 

7. Mai

Gestern haben wir uns ausgeruht, sind in dem kleinen Städtchen St. Martin spazieren gegangen und abends in einem herrlichen Kirchenkonzert gewesen.  

 

Wir warten den Fluthöchststand vom Nachmittag ab, um auszulaufen. Mit an Bord gekommen ist mein Schwager Bernard, um uns nach La Rochelle als Lotse zu begleiten. Wir haben sofort kräftigen Wind, der jedoch bald nachlässt. Da der Motor ausgegangen ist, muss Knut basteln. Es hat wohl damit zu tun, dass der Steuerbordtank leer ist und der Motor eine Verschmutzung aus dem Tank angesaugt hat. Aber Knut kriegt das natürlich bald hin. Aber ein bisschen mulmig war uns schon. In den Hafen von La Rochelle hätten wir nicht gut reinsegeln können. Bald unterqueren wir die hohe Brücke, die die Ile de Ré mit La Rochelle verbindet. Und bald laufen wir in den Hafen von La Rochelle ein. Wir passieren linker Hand den Yachthafen „Minimes“, der mit über 5.000 Booten Europas größter ist. Dort müssen wir aber glücklicherweise nicht hin, sondern dürfen in den Museumshafen, weil unser Boot halt etwas länger, aber vor allem sehr schön ist und dem Publikum etwas bietet. Bernard verabschiedet sich von uns und wir gehen nett was essen in der Altstadt.

 

8. Mai

Knut reinigt den Motor, Bianka und ich begucken die schmucke Altstadt und die klassischen Boote im Museumshafen.  

 

11. Mai

Vorgestern und gestern am Boot rumgebosselt. Es gibt immer was am Boot zu tun. Heute morgen regnet es. Aber bis wir um 10.30 Uhr auslaufen, lässt es nach. Wir segeln erst mal drei Stunden nach Westen, lassen südlich die Ile d‘Oléron vorbeiziehen, müssen dann allerdings feststellen, dass wir nicht direkt Kurs südsüdwestlich auf Bilbao nehmen können, weil wir den Wind direkt auf die Nase haben. Wir müssen also südöstlich abfallen und segeln folglich auf das Festland zu. Wir machen aus der Not eine Tugend und entschließen uns, Richtung Gironde-Mündung zu segeln. Die Strecke ist ziemlich Rodeo und obwohl die „Habiby“ eigentlich gutmütig fährt, stampft sie stark durch eklige Dünung. Gegen 20 Uhr erreichen wir die Mündung und kurz vor Einbruch der Dunkelheit machen wir in Port Médoc fest. Wir sind alle ziemlich groggy. Es ist für die Jahreszeit mit 12°C eigentlich ziemlich kalt. Umso besser schmeckt das Abendessen.

 

14. Mai

Erst heute morgen kommt der Wind aus Nordwesten. Wir haben bereits gestern Abend den Hafen verlassen um eine weitere Hafengebühr zu sparen und in der Gironde geankert. Als wir heute morgen aufwachen, ist es grau und neblig. Aber wir nutzen den Wind und segeln aus der Gironde heraus . Wir müssen eine militärische Sperrzone umsegeln und nehmen erst mal einen westlichen Kurs, bevor wir nach ca. 30 Meilen auf einen südlichen Kurs von etwa 190 Grad abfallen können. Jetzt geht es endlich auf Spanien zu. Die Sicht verbessert sich etwas, aber es bleibt bedeckt und sehr kühl. Am Nachmittag teilen wir die Wachen ein. Zwei Stunden jeweils. Meine Wachen sind von 16 bis 18 Uhr, von 22 Uhr bis Mitternacht und von 4 bis 6 Uhr. Wenn es nur etwas wärmer wäre. Der Wind zieht bei ca. 3 bft das Boot mit etwa 6 kn wie auf einer Schiene. Wunderschön weich läuft das Boot bei halbem Wind.  

 

Meine Wachen verlaufen „ohne besondere Vorkommnisse“, insbesondere ohne Schiffsbegegnungen. Das Navigationsgerät fiepst ganz fürchterlich während der letzten Wache und es bleibt nur das Kabel abzuziehen.

 

15. Mai

Bianka ist etwas seekrank, deswegen bleibe ich von 4 bis acht Uhr morgens auf Wache. Die Wolken haben sich etwas gelichtet und ich erlebe einen hübschen Sonnenaufgang. Als Knut um 8 Uhr seine Wache antritt, lege ich mich nochmal aufs Ohr. Es ist schon fast halbelf, als ich wieder aus meiner Koje krabble. Es ist schönster Sonnenschein, dafür ist der Wind eingeschlafen.  

 

Ursprünglich wollten wir ja von der Gironde direkt Santander anlaufen. Um den Wind aber wenigstens halbwinds einzufangen, steuerten wir zunächst einen südlichen Kurs und als der Wind auf Nord drehte, steuerten wir immer halbwind mit. Trotzdem stoßen wir noch östlich von Bilbao auf die bergig, steil abfallende spanische Küste. In den steilen Buchten liegen immer wieder kleine Örtchen. Wir genießen das Grün dieser Berge und vor allem die warme Sonnen. Wir beschließen, Bilbao nicht auszulassen und dort in den Hafen einzulaufen. Es empfangen uns zunächst dort weniger schöne Industrieanlagen, an dessen Ende dann aber im alten Hafenbecken zwei schöne Yachthäfen. Wir ankern zwischen beiden. Wir sind von stattlichen Häusern der Vorstadt von Bilbao umgeben. Wir lassen das Dinghi zu Wasser und begeben uns auf Entdeckungstour. Wir wollen unbedingt in die Kunstsammlung von Bilbao. Wir gelangen dort mit einer supermodernen und supersauberen U-Bahn hin. Wir bewundern das Zentrum mit seinen stattlichen Anlagen und gelangen schließlich zu dem spektakulären Gebäude der Kunstsammlung, das vor einigen Jahren von dem Stararchitekten Frank Gehry errichtet wurde. Danach gehen wir noch sehr gut essen und kehren ganz glücklich über unseren sehr gelungenen Stadtausflug gegen Mitternacht auf unser Schiff zurück.

 

16. Mai

Bei bedecktem Himmel laufen wir aus Bilbao aus und halten uns in westlicher Richtung nach Santander. Es beginnt aufzuheitern und mit der Sonne bekommen wir auch halben Wind aus Norden. Wir können bald den Motor abschalten und wunderbar ruhig segeln. Wir genießen die Sonne, die schöne Landschaft und den ruhigen Lauf des Schiffes. Die Küste ist steil, schroff und mit grün bedeckten Höhen einfach beeindruckend schön. Ich weiß, dass dies mein letzter Tag auf See ist und genieße ihn deswegen umsomehr. Es werden noch einmal Fotos geschossen und wir legen Frank Sinatra auf. Frank Sinatra vor der spanischen Küste, warum nicht? Am Abend laufen wir in die Bucht von Santander ein. Am Eingang der Bucht begrüßt uns auf einer kleinen vorgelagerten Insel der obligatorische Leuchtturm und oben auf den Klippen ein Königspalast. Der Naturhafen ist nicht so industriell wie der von Bilbao. Wir ankern vor dem Yachthafen und schauen uns die Stadt an. Wieder sind wir beeindruckt von den wunderschönen Stadtpalästen. Wir essen in einem Traditionsrestaurant zu Abend und natürlich schmeckt alles wunderbar, bis zum Brandy, der alles abrundet.

 

17. Mai

Als ich morgens aufstehe, verkünden mir Knut und Bianka, dass sie das gute Wetter nutzen und weiter segeln wollen. Denn sie haben einen Termin in La Coruna, den sie einhalten müssen und schlechteres Wetter ist für demnächst vorhergesagt. So verabschieden wir uns und ich bleibe noch einen weiteren Tag, um mir Santander anzusehen. Am nächsten Tag mache ich mich dann auf die Heimreise über Frankreich zurück nach Berlin.

 

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